Doppelstrategie-Fördergerüst

UNESCO-Weltkulturerbe Zollverein

Die aus eigenen Angaben „wohl schönste Zeche der Welt“ steht in Essen und ist beeindruckend. Von unserem Stellplatz in Gelsenkirchen ist die Zeche bequem in 20 Minuten mit dem Tram erreichbar, oder, da streckenweise die Geleise erneuert werden, mit dem “Schienenersatzverkehr“. Auf gut Schweizerdeutsch: Ersatzbus 😬

Ruhrgebiet Zeche Zollverein
Doppelstreben-Fördergerüst Schacht XII

Das Steinkohlenbergwerk war von 1851 bis 1986 aktiv. Die bekannte Schachtanlage XII wurde zwischen 1928 und 1932 von den Industriearchitekten Schupp und Kremmer errichtet und gilt als technisches und architektonisches Glanzlicht. Die damals modernste Schachtanlage der Welt hat aus einer Tiefe von bis zu 640 Metern über 12000 Tonnen Steinkohle pro Tag gefördert. Das Doppelstreben-Fördergerüst wurde nicht nur zum Wahrzeichen der Zeche sondern auch des Ruhrgebiets.

Die Kohlewäscherei, heute Besucherzentrum, Museum und Galerie
Industriekultur
160 cm hoher Kohleblock
Durch das Kippen wurden die Transportwagen geleert, die Kohle fiel auf die darunter liegenden Transportbänder
Transportmittel Kohle

Schienenvelo für Spezialaufträge

Wir haben nachgefragt, wieso die Zeche den zweiten Weltkrieg praktisch unbeschadet überstehen konnte. Eine sichere Antwort darauf gibt es gemäss unserem Guide nicht. Vielleicht, weil us-amerikanisches Kapital in der Zeche eingesetzt war. Ein anderes Gerücht besagt, dass sich die Alliierten bewusst waren, dass die Zeche beim Wiederaufbau helfen würde. Man weiss es einfach nicht.

Wir haben nur wenige Fotos von der Zeche gemacht, es war im Innern auch nicht so einfach.

Die Kokerei Zollverein wurde in den Jahren 1957 bis 1961 in Anbindung an die Schachtanlage XII errichtet und war von 1961 bis 1993 aktiv. Sie galt zu dieser Zeit als die modernste Kokerei Europas. Heute ist sie ein Industriedenkmal und gehört mit der Zeche zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Kokerei Zollverein
Kokerei Zollverein

Im Jahre 1961 verfügte die Kokerei über 192 Koksöfen bei einer Kapazität von 5000 t Koks täglich. 1973 wurde die Zahl der Öfen von 192 auf 304 erweitert und die Leistung auf 8000 t Koks pro Tag erhöht

Einige der 304 Koksöfen
Diese Maschine auf Schienen wurde von nur einer Person bedient. In einem Arbeitsgang hob die Maschine den Metalldeckel mit einem Magneten auf, füllte die Kohle ein und schob den Deckel wieder auf die Öffnung. Rund um die Uhr wurden die Maschine in ihrem Abschnitt hin und zurück geführt, ohne Unterbruch in einem 3-Schichten-Betrieb, 365 Tage im Jahr. Die Öfen durften nie abgestellt werden.

Dies hier nennt man wohl Industrienatur
Mit diesen Maschinen wurde von der Seite her der Koks aus den Öfen in bereitstehende Waggons gedrückt und sofort mit Wasser gelöscht. Typisch ist dann der aufsteigende weisse Dampf. Die Maschinisten kannten keine Pause, gegessen wurde während der Arbeit. Mit einem einfachen Trick haben sie ihre Hähnchen gegrillt. Über eine leere Bierflasche gestülpt wurden die Hähnchen an den Maschinenarm angemacht und schwupps, einmal durch den Ofen und das Essen war fertig.🍗 🍗🍗🍗
Eine der zwei noch aktiven Kokereien in Duisburg
Löschtürme


Eindrücklich!

Das „Sonnenrad“ 1999 im Rahmen der Ausstellung “Sonne, Mond und Sterne“ erbaut, seit 2010 leider stillgelegt

Inmitten beeindruckender Industriearchitektur baden?
Die Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic fertigten das Werksschwimmbad 2001 im Rahmen des Kunstprojekts „Zeitgenössische Kunst und Kritik” aus zwei Überseecontainern.

Wo früher die Maschinen hin und her fuhren und Koks aus den Öfen drückten…
…. läuft man heute im Winter Schlittschuh (Foto Internet)

Rund 1,5 Millionen Gäste besuchten vor der Pandemie jährlich das Gelände, diese Zahl wird sicherlich bald übertroffen werden. Es gibt hier viel Spannendes und Interessantes zu sehen und zu erleben, eigentlich genügen zwei Tage nicht um alles aufzunehmen.

Um die Hitzewelle gut zu überleben werden wir die nächsten Tage und Wochen bei Thermen verbringen. Viele sind für Wohnmobilisten gut eingerichtet und ausserdem, wann kann man das sonst erleben, dass das warme Thermalwasser kühler ist als die Lufttemperatur?

Gruss der Kumpels

Saluti 🫠🫠🫠🫠

3 Gedanken zu „UNESCO-Weltkulturerbe Zollverein“

  1. Sehr gut beschrieben und, wie immer bei euch, wunderbar bebildert. Es ist in der Tat so, dass bei den Vereinigten Stahlwerken eben auch amerikanisches Kapital eingesetzt war. Die Vereinigten Stahlwerke waren Besitzer dieser Hüttenzeche. Dies scheint nicht nur mir die wahrscheinlichste aller Antworten auf die Frage zu sein, warum das Werk im 2. Weltkrieg unversehrt blieb.

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  2. Beeindruckend euer Bericht. Wie hart die Menschen für ihr Löhnlein geschuftet hatten.
    Kühle Erholung im Schwarzwald. 1 August Grüsse Ruth

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