Polen – Rollberge

Wir kreuzen ein Schiff

Was in aller Welt sind Rollberge? Das haben wir uns gefragt, als wir diesen Ausflug in unseren Unterlagen gelesen haben. Die Antwort ist ganz einfach, Rollberge sind Erhöhungen, auf die man mit Schiffen auf Schienen hinauf- oder hinunterfährt. Dieses Vergnügen hatten wir auf dem 80 km langen Oberlandkanal, der die Städte Elbing und Osterode, also Westmasuren mit dem Frischen Haff (Ostsee) verbindet. Dieses einzigartige Wunderwerk der Technik hat der deutsche Ingenieur Georg Steenke schon 1825 geplant und nach einiger Überzeugungsarbeit beim preussischen König konnte er 1848 mit dem Bau beginnen. 1860 wurde der Kanal offiziell eröffnet. Diese Systemtechnik funktioniert heute noch so wie vor 163 Jahren.

Geplant war der Kanal ursprünglich, um Güter wie Holz und Getreide aus dem Landesinnern an die Ostsee zu transportieren. Doch der Transport mit der Eisenbahn wurde immer beliebter und deshalb fuhren 1912 die letzten Transportschiffe auf dem Oberland Kanal. Zum Glück wurde bereits nach dem ersten Weltkrieg die Kanalschifffahrt für den Tourismus freigegeben.

Der Oberlandkanal

Wir sind nicht die ganze Strecke gefahren sondern nur den interessanten Teil von Buczyniec nach Jelonki. In etwas mehr als zwei Stunden haben wir vier Schleusen mit einen Höhenunterschied von 86 m überwunden.

Und das System ist eigentlich ganz einfach, das Schiff schiebt sich auf eine unter Wasser liegende Plattform, wird mit Seilen angemacht und auf ein Signalton des Kapitäns setzt der Maschinist, der in einem Häuschen neben dem Kanal sitzt, das Räderwerk in Bewegung. Stück für Stück zieht ein dickes Stahlseil die Plattform mitsamt Schiff aus dem Wasser. Ist der Gipfel erreicht, geht es Huckepack auf Schienen den Hang hinauf oder – in unserem Fall – den Hang hinunter.

Unten angekommen gleitet das Schiff wieder sanft von der Plattform ins Wasser zurück, die Taue werden gelöst und die Fahrt wird fortgesetzt. So einfach geht das! Soweit, so gut. Soviel habe ich ohne Mühe verstanden. Aber jetzt wird es komplizierter. Woher kommt die Kraft, um das Räderwerk in Bewegung zu setzen?

In Katy durften wir in das Maschinenhaus und der Maschinist hat uns erklärt, wie das ausgeklügelte System funktioniert, scheinbar schwerfällig aber präzise wie ein Uhrwerk. Über ein Rohr wird Wasser aus dem Kanal auf ein acht Meter großes Wasserrad geleitet, dessen breite Schaufeln je eine Tonne Wasser aufnehmen. Das Wasserrad bewegt ein Endlos-Seil, dieses wiederum bringt die Plattform in Fahrt. Eigentlich ganz einfach, ähnlich wie eine Standseilbahn.

Reisen bildet!

2 Kommentare zu „Polen – Rollberge“

  1. Ein sehr schöner Bericht von erstaunlicher Ingenieurskunst mit tollen Fotos. Auch wir waren sehr beeindruckt von den Rollbergen und haben damals bedauert, dass wir dies auf dem Schiff erlebt haben. Wir hätten lieber die Schiffe an uns vorbeiziehen gesehen.

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar