Wir sind wieder zu Hause!

18. März 2020

Am Freitagnachmittag sind wir in Lima glücklich nach einem Besuch beim Weinhändler mit sechs Flaschen peruanischem Wein in unser Hotel zurückgekehrt. Die Weinflaschen waren für den Genuss auf unserem Kabinenbalkon bestimmt. Dann kam der Anruf der Oceania Cruise Line, Kreuzfahrt abgesagt, Rückflugtickets werden wir für euch auf den nächstbesten Termin organisieren. Und sie haben Wort gehalten, bereits am Sonntagmorgen konnten wir ein Linienflug nach Madrid mit Anschluss nach Zürich besteigen. Montag um die Mittagszeit waren wir zu Hause.
Erst jetzt wird uns bewusst, wieviel Glück wir gehabt haben. Die Reederei hat sehr schnell und unkompliziert reagiert und sich dabei auch noch sehr grosszügig gezeigt, wir wurden in der Businessclass nach Hause befördert.

Jetzt bleiben wir erstmal in unseren vier Wänden bis wir sicher sind, uns unterwegs nicht angesteckt zu haben. Überhaupt, wir werden die Empfehlungen des Bundesrates befolgen und unseren kleinen Teil dazu beitragen, diese Situation so schnell als möglich zu verbessern.

Gespenstisch: die Ankunftshalle des Flughafens Zürch

Übrigens, die sechs peruanischen Weinflaschen sind auch sicher in Zürich gelandet.

Bleibt gesund und folgt den empfohlenen Einschränkungen um Verschärfungen zu vermeiden.

Machu Picchu

14. März 2020

Was wäre ein Reise nach Südamerika ohne den Besuch der Inkastadt Machu Picchu? Bis heute ist wenig über die auf 2400 m Höhe liegende Stadt bekannt. Ziemlich sicher ist, dass die Inkas hier am 21. Juni die Sonnenwende feierten. Zugleich diente die in gemässigter Höhenlage errichtete Festung den Herrschern als Rückzugsort in den kalten Andenwintern.

Am frühen Morgen hier zu stehen und auf die Ruinen zu blicken ist ein einmaliges Erlebnis.

In den meisten Reiseführern steht, dass in der Hochsaison bis zu 2000 Personen diesen Ort besuchen. Unser Guide hat aber zugegeben, dass in Spitzenzeiten bis zu 10‘000 Personen täglich per Bus hier hinauf gekarrt werden! Eine unglaubliche Zahl.

Wir hatten Glück, danke den drei Faktoren Regenzeit, früher Morgen und Coronavirus konnten wir die Stätte in Ruhe geniessen.

Am Freitag reisen wir weiter nach Lima, wo am Sonntag die Oceania Marina für unsere 38-tägige Kreuzfahrt Lima – Lissabon auf uns wartet.

Oder auch nicht, wie wir soeben erfahren haben. Wie viele andere Kreuzfahrtgesellschaften hat sich auch die Oceania entschlossen, die Schifffahrt für vorerst 30 Tage einzustellen. Für uns kein Problem, nur die Unwissenheit, wann und wie wir wieder nach Hause kommen trübt ein wenig die Freude am Aufenthalt hier in Lima. Aber zum Beispiel nur schon für all die Angestellten der Kreuzfahrtgesellschaften, die oft miserable Verträge besitzen und mit ihrem Lohn die ganze Familie ernähren, für die ist dieser Entscheid gravierend. Ihnen geht es wirklich ans Lebendige. Und nicht nur ihnen.

Die Terrassen von Maras und Moray

Die Salzbecken liegen von November bis April wegen des Regens brach

13. März 2020

Auf dem Weg von Cusco nach Ollantaytambo – von hier aus fährt der Zug nach Machu Picchu – haben wir mit Alejandra, unserer Guide, zwei völlig verschiedene Terrassenanlagen im Heiligen Tal der Inkas besucht, die Salinen von Maras auf rund 3400 m und die kreisförmigen Terrassen von Moray.

Die Saline von Maras ist die höchstgelegene Salzfarm der Welt, die aus rund 4500 übereinander am Berghang angeordnete Becken besteht. Diese sind durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem miteinander verbunden und werden aus einer stark salzhaltigen Quelle aus dem umliegenden Bergmassiv gespeist. Verdunstet das Wasser bleibt reines Salz zurück. Die Anlage wurde von den Inkas angelegt und ist über tausend Jahre alt. Betrieben wird sie von Mai bis November von den Salzbauern der Dorf-Kooperative Maras.

Die einzelnen Becken dürfen nicht an Aussenstehenden verkauft werden, in der Regel bleiben sie in der Familie und werden weitervererbt.

Beeindruckend sind auch die kreisförmigen Terrassen von Moray. Auch diese wurden von den Inkas angelegt und dienten sehr wahrscheinlich der Agrarforschung. Auf den verschiedenen Ebenen wurden die unterschiedlichsten Pflanzenarten gesät und beobachtet, in welcher Höhe und Lage sie am besten gedeihen.

Bleibt gesund!

Vulkane, ein Canyon, zwölf Kondore und unzählige Sombreros

Colca Canyon

9. März 2020

Von Arequipa aus sind wir mit unserem nur spanisch sprechenden Fahrer Edegar auf einen zweitägigen Ausflug ins Colca Tal und zur Cruz des Kondors aufgebrochen. Die Strasse führte uns zuerst hinauf in die karge Hochebene Pampa Cañahuas. Hier haben wir unzählige Vicuñas, Lamas und Alpakas gesehen und zu unserem Erstaunen auch viele Flamingos.

Alpaka
Wahrscheinlich ein Lama, die sind hässlicher als Alpakas
Vicuña?

Der höchste Punkt unseres Ausfluges war der 4910 hohem Patapampa Pass, der normalerweise eine großartige Aussicht auf die bis über 6000 m hohen Vulkane bietet. An diesem Tag war die Sicht nicht so gut und so sind die meisten Fotos wieder im Papierkorb gelandet.

aktiver Vulkan: Sabancaya
Der Sabancaya vom Flugzeug aus
Killawasi Lodge nahe Chivay, dem Hauptort des Tales

Übernachtet haben wir in der schönen Killawasi Lodge. Leider habe ich die Höhe nicht gut vertragen und konnte die Infrastruktur des Hotels nicht geniessen. Doch nach zwölf Stunden Schlaf war ich am nächsten Morgen wieder fit für die Weiterfahrt zum Cruz del Cóndor, dem schönsten Aussichtspunkt des Colca Canyons.

Der Colca Canyon ist gemäss Wikipedia der dritttiefste der Welt. Die Tiefe? 3269 m bzw. 1200 m, je nachdem, ob man vom höchsten Berggipfel nahe der Schlucht oder vom Rand der Schlucht aus bis zum Fluss misst.

The Kissing Condors

Wir hatten Glück, an diesem Morgen liessen sich insgesamt zwölf Kondore von der Thermik tragen und kreisten über unsere Köpfe. Der Andenkondor ist der grösste fliegende Vogel der Welt, die Spannweite der Flügel kann beim Männchen über 3 m sein. Ein gewaltiges Schauspiel. Gemäss Edegar kommen sie jeden Morgen um die Touristen zu bestaunen.

Zurück Richtung Chivay und Arequipa kamen wir wieder an den von Menschenhand angelegten Terrassen vorbei. Diese Terrassen wurden bereits vor der Zeit der Inkas angelegt. Auf dem fruchtbaren Boden gedeihen heute Bohnen, Kartoffeln und Mais.

Auch wunderschön sind die farbigen Kleider der einheimischen Frauen, die zur Cabana und Collagua Volksgruppen gehören.

Links: Cabana, rechts: Collagua

Bis zur Eroberung durch die Spanier blieben diese zwei ethnischen Gruppen unter sich, eine Mischehe war verboten. Sie unterschieden sich durch die Kopfform. Die Köpfe der Babys wurden zwischen zwei Holzlatten so lange eingebunden, bis der Schädel die gewünschte Form angenommen hatte und irreparabel war. Die Cabanas gaben ihren Babys eine flache und breitere, die Collaguas eine längliche und schmälere Schädelform. Wenigstens haben wir die Erklärungen von Edegar so verstanden. Die Spanier fanden diese Praxis barbarisch und haben sie untersagt. Auch das Verbot der Mischehe wurde aufgehoben. Heute unterscheiden sich die Frauen durch den Sombrero, wobei die Tochter immer die Volksgruppe der Mutter annimmt. Genug der Worte, jetzt nur noch Bilder.

Und diese zwei hier unten? Zwei Männer in Frauenkleidern

Die Legende besagt, dass das Tragen von Frauenkleidung eine Strategie war, die es dem jungen Mann ermöglichte, beim Tanzen auf Mädchen zuzugehen um sie zu umwerben. Heute gehört der traditionelle Wititi-Tanz aus dem Colcatal zum Unesco Kulturerbe.

So, jetzt verabschieden für uns erst einmal. Morgen geht es Richtung Macchu Picchu, wir sind echt gespannt.

Euch allen eine schöne Woche!

Il tortellino emiliano

Castelfranco Emilia ist eine typische Kleinstadt der Emilia, flach wie eine Flunder – die höchste Erhebung ist die Autobahnüberführung – im Winter neblig-kalt und im Sommer einfach nur heiss. Was diese Stadt zwischen Modena und Bologna aber auszeichnet, ist die fast verbriefte Tatsache, dass hier die Tortellini erfunden wurden …und so nebenbei bemerkt, auch mein Geburtsort ist 😁

Der Legende nach besuchte im 12. Jahrhundert eine junge und sehr hübsche Adlige das Wirtshaus Corona in Castelfranco, um sich hier von den Strapazen ihrer Reise zu erholen. Der Wirt begleitete die junge Dame zu ihren Gemächern und blieb nach dem Verlassen des Zimmers vor der geschlossenen Türe stehen, um sie durch das Schlüsselloch beim Baden zu beobachten.
Am gleichen Abend, von der Schönheit ihres Bauchnabels inspiriert, formte er aus Teigvierecken (klassisch 4 x 4 cm) und Füllung die Tortellini.

In einer anderen Version der Geschichte wird behauptet, dass es sich nicht um den Bauchnabel einer Adligen, sondern den der Venus handelt. Was diese aber ausgerechnet in Castelfranco zu suchen hatte, blieb und bleibt ein Rätsel.

Diese Füllung besteht aus je 200 gr Mortadella, Rohschinken und Schweinsfilet, dazu noch 1 Ei, Parmesan, Muskatnuss, Salz und Pfeffer für einen Teig von ca 550 gr
Foto aus dem Internet
so schmeckt es mir am besten, mit viel Parmesan – für einen Puristen ein no-go. Parmesan gehört angeblich nur in die Füllung!

Alljährlich findet anfangs September in Castelfranco di Festa di San Nicola statt, eigentlich die Sagra del Tortellino. Zehn Tage lang wird der Tortellino tradizionale gefeiert. 1000 bis 1200 kg Tortellini werden für dieses Fest hergestellt und verzehrt.
Auf der Piazza, bei einem Teller Tortellini trifft man sich wieder. Familien, Freunde und Bekannte, solche, die die Emilia nie verlassen haben und die paar wenigen Modenesi, die ihr Glück irgendwo auf der Welt gesucht haben, wenigstens einmal im Jahr vereinigt die Liebe zum guten Essen alle.

Foto aus dem Internet

Falls ihr irgendwann mal Bologna oder Modena in diesem Zeitraum besucht, einen Abstecher nach Castelfranco lohnt sich allerweil……

Foto aus dem Internet

So, und nach dieser Liebeserklärung an die Tortellini ist es Zeit, zu meinem Liebsten an den Zürichsee heimzukehren. Schließlich müssen wir noch die letzten Vorbereitungen für unsere nächste großen Reise vorbereiten. Ende Januar geht’s wieder los!

Arrivederci