Nach dem Ausflug ins schöne und beschauliche Toruń war der gestrige Tag ein wahres Kontrastprogramm. Zuerst der Besuch der Wallfahrtskirche Heiligelinde, dann Hitlers Führerhauptquartier in Ostpreußen, die Wolfsschanze.

Der Marienkult von Heilige Linde (polnisch Święta Lipka) geht auf eine Sage aus dem 14. Jahrhundert zurück. Sie erzählt von einem in Rastenburg zum Tode verurteilten Mann, der Maria um Hilfe angefleht hat. Diese soll ihm aufgetragen haben, eine aus Holz geschnitzte Figur von ‚Unserer Lieben Frau‘ anzufertigen. Nachdem er wegen dieser Skulptur freigelassen wurde, hängte er die Figur an eine Linde auf dem Weg von Rastenburg nach Rössel. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollen sich dort tatsächlich viele Wunder ereignet haben. Der Begriff „Heilige Linde“ weist jedoch weiter in die Vergangenheit zurück, nämlich auf einen heidnischen Kultplatz der Prußen.
Im Innern der Kirche wird die barocke Üppigkeit noch von der Orgel übertroffen. Diese, in den Jahren 1719 – 1721 erschaffen, wartet mit einer unglaublichen Vielfalt von Verzierungen und beweglichen Figuren auf. Während des Orgelspiels bewegen und drehen sich Sonnenräder, Sterne und Posaunen spielende Engel. Es bewegt sich vieles während der kurzen Konzerte, die mehrmals täglich gegeben werden.








Der Prunk im Innern der Kirche hat uns fast erschlagen. Einfach zu viel des Guten, jedenfalls für unseren Geschmack.
Ja, und dann sind wir noch zur Wolfsschanze gefahren.

Im Wald östlich von Ketrzyn – ehemals Rastenburg – liegt der rund 2,5 Quadratkilometer umfassende „Wolfsschanzen“- Komplex. Bis 1944 wurden hier etwa 90 Gebäude errichtet. Als die Rote Armee auf dem Vormarsch war, wurde das Quartier am 24. Januar 1945 von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Dazu gehörten massive Bunker aus Stahlbeton sowie 40 Wohn-, Wirtschafts-, Versorgungs- und Arbeitsgebäude. Zu den massivsten Bunkern mit Wänden zwischen fünf und sieben Metern zählten unter anderem der „Führerbunker“ Adolf Hitlers. Die weniger massiven Bunkerbauten kamen immer noch auf Wände und Decken von zwei Metern dicke.



Der Kartenraum des Führerhauptquartiers, in dem Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 das gescheiterte Sprengstoff-Attentat auf Adolf Hitler verübte, wurde rekonstruiert.
Die Explosion verwüstete damals den Raum und tötete vier Personen – aber Hitler wurde nur leicht verletzt. Ein massiver Eichentisch, unter dem Stauffenberg die Aktentasche mit dem Sprengstoff platziert hatte bevor er den Raum unter einem Vorwand verließ, schirmte Hitler weitgehend vor der Wucht der Detonation ab.




Claus von Stauffenberg und einige seiner Mitverschwörer wurden verhaftet und in der Nacht auf den 21. Juli 1944 erschossen. Alle seine Angehörigen wurden in Sippenhaft genommen, die vier Kinder von der Mutter getrennt und in ein Kinderheim verschleppt. Sein fünftes Kind kam während der Haft zur Welt. Mutter und Kinder haben alle überlebt und nach Ende des Krieges wieder zusammengefundenen. Sie hatten mehr Glück als die mehr als 70 Millionen Menschen, die durch den Krieg getötet wurden.
