Wieder unterwegs – Medellin

2. – 5. Januar 2026

Medellin galt einst als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Heute ist sie genau so sicher wie jede andere Millionenstadt.
Die zweitgrösste Stadt Kolumbiens erstreckt sich über einer Fläche von rund 380 km² mit ca. 2,6 Mio Menschen, während in der Metropolregion Medellin 4,2 Mio Menschen leben.

Die Stadt war in den 1980er Jahren durch das Medellin-Kartell unter Pablo Escobar weltweit für Gewalt und Drogenhandel berüchtigt. Heute gilt Medellin als Modell für städtische Entwicklung. Dank ihren innovativen öffentlichen Verkehrsmitteln wie Metrocable und Rolltreppen wurden die höher gelegenen Armenviertel besser an das Zentrum angebunden. Ausserdem wurde und wird in Bibliotheken, Parks und kulturelle Einrichtungen investiert.

Im Dezember 2011 wurde die überdachte Rolltreppe in der Comuna 13 eingeweiht, die in sechs Abschnitten rund 380 m überwindet und so der Bevölkerung das Leben beträchtlich erleichtert.

Viele Künstler haben mitgeholfen, die Comuna 13 zu verändern. Die Street Art ist mehr als nur Dekoration. Sie ist Ausdruck der Geschichte, der Widerstandsfähigkeit und des Wandels nach Jahren der Gewalt.

Heute ist die Comuna 13 ein Touristenmagnet mit unzähligen Souvenirshops, Cafés, Strassenverkäufern und Imbissbuden. Und natürlich mit Wandmalereien!

Eines der bekanntesten erzählt die Geschichte der „Operación Orión”, die am 16.10.2002 angefangen hat und vier Tage lang anhielt.

Im Jahr 2002 war die Comuna 13 das letzte Stadtviertel im ganzen Land, in dem sich die Guerilla noch aufhielt. Der damalige Präsident beschloss die Kämpfer mit Gewalt zu vertreiben. Am 16.10.2002 ließ er die Comuna 13 militärisch mit Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen angreifen. Die Soldaten schossen ohne Rücksicht auf alles, was sich bewegte. Auf Alte, Frauen und Kinder. Zum Militär kamen noch paramilitärische Gruppen, die sich nicht an Gesetze gebunden fühlten. Die Anwohner baten mit weißen Bettlaken und Taschentüchern um eine Feuerpause, trotzdem hielten die Kämpfe vier Tage lang an. Dutzende Zivilisten starben, Hunderte verschwanden spurlos. Die genauen Zahlen sind nicht bekannt, unser Guide sprach von über 400 Zivilisten.

Operation Orion brachte für Medellin die Wende, aber zu einem enormen Preis.

Wir haben auf eigene Faust noch eine andere, „authentischere“ Comuna besucht und sind mit Metro und Metrocable zur Comuna 1 ins Barrio Santo Domingo hochgefahren.

Auch hier ist uns wieder die Freundlichkeit der Bewohner aufgefallen. Wir sind zu Fuss zur Metrostation hinunter gelaufen. Sobald wir auch nur einen Moment angehalten haben um den richtigen Weg durch das Gewirr von engen Gassen und Treppen zu finden, hat uns jemand unaufgefordert den besten Weg gezeigt. Eine junge Frau wollte uns am Ticketautomaten, ein Mann wollte Peter auf einer Treppe mit der Reisetasche helfen… es ist schön zu beobachten mit welcher Selbstverständlichkeit älteren Menschen hier geholfen wird.

Medellin hat uns positiv überrascht, manchmal auch so:

Jon, unser Guide, liebt Selfies!

Hasta luego🥂

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