RN 40 – Von Mendoza nach Villa Union

Öde Landschaft 20 km nördlich von Mendoza


Seit Freitagmorgen sind wir wieder unterwegs. Kurz nach Mendoza sind wir auf die legendäre Ruta 40 gestossen und werden nun dieser Strasse für die nächsten 1300 km bis nach Salta folgen.

5301 km lang ist die Ruta Nacional 40, vom Cabo Vírgenes bis nach Ciénagas de Paicone an der bolivianischen Grenze, somit ist sie eine der längsten Fernstrassen der Welt.

Kurz nach Mendoza wird es ziemlich öde, die Strasse zieht sich fast schnurgerade in die Ferne und Peter ist es ziemlich langweilig am Steuer. Auf Rücksicht auf seinen hartnäckigen Husten fahren wir nur knappe drei Stunden bis nach San Juan. Ich würde mich nur ungern wieder ans Steuer setzen, zu lange ist es her, seit ich mit meinen roten Seat Ibiza durch die Strassen gefegt bin.

Nach einer Nacht im Hotel scheint es Peter viel besser zu gehen und gemütlich machen wir uns auf den Weg nach Villa Union. Die ersten paar Kilometer sind wieder langweilig, doch bald wechselt die Landschaft, die Berge rücken näher und die Strasse trumpft mit Kurven auf.

Wie man sich doch über eine Kurve freuen kann…
Oder über eine nette Botschaft

Nach San José de Jáchal steigen wir die relativ schnell in die Höhe und haben einen wunderbaren Weitblick.

Und was kommt nach der nächsten Kurve?


Wir sind ziemlich hungrig in Villa Union eingetroffen. Leider zu spät für ein spätes Mittagessen, jetzt müssen wir auf das Abendessen warten. Hier in Argentinien machen die Restaurants nicht vor 19.30 h auf, die meisten erst um 20.00 h – 20.30 h. 😫😫😫😫

Airbnb-Erfahrungen

Man glaubt es kaum, aber der Schein trügt. Diese Unterkunft in Luján de Cuyo (Mendoza) ist nicht ganz so idyllisch wie es auf dem ersten Blick scheinen mag. Gut, für Leute mit schlechtem Geruchssinn, die nur auswärts essen und Hunde lieben stimmt der Eindruck, aber für uns ist es der dritte richtige Airbnb-Fehlgriff!

Auswärts essen mag ja Spass machen, ist man wie wir für längere Zeit unterwegs möchte man zwischendurch den Kochlöffel doch lieber mal selber schwingen – oder zumindest zuschauen, wie die bessere Hälfte dies macht. Deshalb suchen wir uns bei längeren Aufenthalten am gleichen Ort eine Wohnung oder ein Cottage. Und damit haben wir schon viele wirklich schöne Erfahrungen gemacht. So wie in Barossa Valley, wo die Gastgeber uns einfach zu einem Familienessen mitgenommen haben, in den Blue Mountains wurden wir schon vor Ankunft gefragt, welche Milch den wir denn gerne zum Frühstück hätten. Oder in Broome und Adelaide, wo die jeweilige Gastgeberin uns am Flughafen resp. Bahnhof abgeholt hat und in Adelaide das Häuschen mit einem Riesenstrauss Lilien geschmückt war. Oder da kommt mir noch der Host an der Great Ocean Road in den Sinn, der uns nachts den Kamin von außen mit Holz gefüttert und somit das Feuer am Leben erhalten hat…. und uns wegen der unerwarteten Kälte eine Wollmütze in unseren Goodybag packte…..

Antigua
Broome
Leura, Blue Mountains, so schöne Erinnerungen

Aber ich schweife ab, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Geruchssinn und selber kochen… unsere Unterkunft hier hat einen Induktionsherd, leider keine passenden Pfannen. Die einzigen Töpfe mit magnetischen Boden haben weder Griffe noch Deckel, eigentlich sind es Schüsseln.

Wie soll man da kochen?

Und die Wäsche riecht, als hätte man sie tagelang nach dem Waschen in der Maschine vergessen und dann noch feucht in den Schrank versorgt. Ein grauenhafter Mief, auch wenn es Peter nicht so schlimm empfindet.

Mit den Hunden ist es so, dass es Unmengen von streunenden gibt, dazu scheint jeder Hausbesitzer in der Nachbarschaft auch noch Hunde zu besitzen. Das Geheule, Gebell und Gekläffe nimmt kein Ende, vor allem nachts ist es ziemlich störend.

Ich mag Hunde nicht besonders, aber das scheint die nicht weiter zu stören

Dafür hatten wir in der letzten Unterkunft Azuca, die freundlichste Katze der Welt

Der Swimmingpool ist übrigens der Hunde-Trinknapf. 😩😩😩

Manchmal hat man einfach mit der Wahl der Unterkunft Pech. Obwohl alle vorherigen Mieter die Unterkunft und die Vermieterin in den höchsten Tönen lobten, für uns stimmt es diesmal einfach nicht. Es liegt wohl auch daran, dass die Besitzerin nicht anwesend ist und ihre Stellvertretung zwar sehr nett aber auch überfordert ist.

Genug geklönt, schlussendlich ist alles nur halb so schlimm. Und am Freitag geht’s Richtung Norden mit dem Auto weiter. Ca. 1300 km von Mendoza nach Salta auf der legendären Ruta 40 mit einem längeren Stopp in Cafayate, mit 1680 m.ü.M. eines der höchst gelegenen Weinanbaugebiete der Welt.

Wir melden uns 🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷🍷

El cementerio de la Recoleta

Es ist nicht so, dass wir einen Totenkult betreiben und regelmäßig Friedhöfe auf unseren Reisen besuchen, aber der Friedhof Recoleta in Buenos Aires ist schon besonders.

Nicht nur liegt Evita Perón hier begraben, es werden auch geführte Touren in mehreren Sprachen angeboten und eine eigene Webseite unterhalten. Aber das Besondere ist, dass Recoleta einer Stadt gleicht, einer Stadt der Toten.

Und wie jede Stadt, hat auch Recoleta Geschichten zu erzählen, wie der von Liliana Crociati de Szaszak. Die junge Frau wurde auf ihrer Hochzeitsreise getötet, als eine Lawine auf ihr Hotel in der Nähe von Innsbruck stürzte.

Das Grab von Liliana
Die Bronzestatue zeigt Liliana im Hochzeitskleid mit ihrem Hund

Oder die tragische Geschichte der jungen Rufina Cambaceres

Die junge Rufina

Rufina‘s Mutter, eine wohlhabende Witwe, hatte ein rauschendes Fest für den 19. Geburtstag ihrer Tochter organisiert. Als diese sich in ihrem Zimmer auf den Abend vorbereitete, brach sie zusammen und wurde von den herbeieilenden Ärzten für tot erklärt. Angeblich hatte sie an diesem Abend erfahren, dass ihr Verlobter zugleich ein Verhältnis mit ihrer eigenen Mutter hatte!

Wie damals bei den Reichen üblich, wurde Rufina schnell beigesetzt. Kurz vor der endgültigen Beisetzung erfuhr die Mutter vom einem der Friedhofsgärtner, dass der Deckel des Sarges verschoben vorgefunden wurde. Als dann der Sarg zur Kontrolle geöffnet wurde, fand man die Innenseite des Deckels stark zerkratzt sowie Hände und das Gesicht der junen Frau völlig zerschunden vor. Sie war lebendig begraben worden! Heute nimmt man an, dass sie vor Schmerz in eine Starrsucht verfallen war und an einem Herzanfall starb, als sie sich nicht aus dem Sarg befreien konnte.

Und da wäre noch die Geschichte des Totengräbers David Alleno.

Foto aus der offiziellen Website

David hat 30 Jahre lang als Totengräber im Friedhof gearbeitet und jeden Rappen für eine eigene Grabstätte auf die Seite gelegt. Man erzählt sich, dass sobald seine Skulptur vom Bildhauer fertig erstellt war, David nach Hause ging und sich das Leben nahm. Angeblich hört man heute noch seine Schlüssel klimpern, wenn sein Geist im Morgengrauen die engen Gassen der Grabstätten abschreitet.

Auf einer Plaza vor dem Friedhof befindet sich ein Riesengummibaum, sein Durchmesser soll stolze 50 m betragen. Seine weit ausladenden Äste sind so schwer, dass sie mit Holzträgern und einer Skulptur unterstützt werden.

Toll, oder?


Heute regnet es in Buenos Aires, Zeit für ein Museumsbesuch oder ein
Mittagsschläfchen

Adiós Uruguay

Nach zwei Wochen verlassen wir heute Uruguay und setzen mit der Fähre nach Buenos Aires über. Knappe 2 1/4 Std dauert die Fahrt über den Rio de la Plata von Montevideo aus. Ein wenig traurig sind wir schon, das beschauliche Uruguay gegen die Milionenstadt Buenos Aires einzutauschen. Hier in Uruguay, vor allem außerhalb Montevideos, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Von Stress keine Spur.

So wie in Colonia del Sacramento, der ältesten Stadt Uruguays. 1680 gegründet, wurde die Altstadt 1995 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Von den Portugiesen gegründet, von den Spaniern erobert, von den Portugiesen wieder zurückerobert etc. zeigt die Altstadt klar die portugiesische neben der spanischen Bauweise. Flache Dächer = Spanien, Giebeldach = Portugal. Straßen mit Vertiefung in der Mitte = Portugal, Wasserablauf seitlich = Spanien. Zumindest haben wir das so verstanden.

Oben spanisch, unten portugiesisch

Links portugiesisch, rechts spanisch

Strasse spanisch, Auto US-amerikanisch

Überall in der Altstadt finden sich gemütliche Ecken

Unsere Posada

Es sind Bestrebungen im Gange, die Altstadt autofrei zu machen. Für uns wäre dies das Tüpfelchen auf dem i.

Blick vom Leuchtturm
Cooles Käppchen 😊😊😊😊

Leben und Leben lassen in Carmelo und Canelones:

Chacrita del SUR, Canelones
Unsere Posada in Carmelo
Entspannt am Rio de la Plata, Carmelo
Die Menschenmenge hält sich hier im Rahmen

Ganz anders Punta del Este, hier, östlich von Montevideo geht es schon viel mondäner zu:

Das Wahrzeichen von Punta del Este: La Mano
Eines der Strände von Punta del Este
Mit dem Stehpaddel surfen: Könner am Werk

Außer Fußball und Mate haben die Uruguayos eine dritte Leidenschaft, den Weinbau. Wir haben mehrere Bodegas besucht und es nicht bereut – na ja, vielleicht ein kleines bisschen am Morgen danach…. die Gläser werden beim Degustieren schon ziemlich gefüllt und es wird geschluckt, nicht herausgespuckt… wie auch immer, ganz nüchtern kommt man da nicht weg. Aber die Weine sind wirklich gut.

Typisch für Uruguay: die Tannat-Traube

Jetzt sind wir auf die argentinischen Weine gespannt, nach Buenos Aires fliegen wir weiter nach Mendoza, das Hauptweinbaugebiet von Argentinien.

Der Fährhafen von Montevideo

Übrigens, wir haben wieder etwas gelernt, der richtige Name von Uruguay lautet “Republica Oriental del Uruguay”. Es stimmt doch, Reisen bildet.

Euch allen wünschen wir einen guten Start in die neue Woche 👋🏼👋🏼👋🏼👋🏼🍷

Die Uruguayos und der Mate

Hat sich freiwillig in Pose geworfen….

Mate ist das Nationalgetränk der Urugayos. Dieser bitter schmeckende Tee wird zwar auch in den umliegenden Ländern, vor allem in Argentinien, getrunken, aber nirgends ist er so allgegenwärtig wie in Uruguay. Auf der Strasse, im Bus, am Strand, einzeln oder in Gruppen, überall tragen die Mate-Aficionados ihre Thermosflasche mit heißem Wasser unter den Arm eingeklemmten mit sich, in der Hand das Trinkgefäss mit Saugrohr… So wie bei uns das Handy

Auch dieser Junge Mann hat gerne für „los Suizos“ posiert

Die Gauchos haben von den Ureinwohnern den Brauch übernommen, Mate zu trinken. Von ihnen stammt auch das Ritual, das Getränk mit Anwesenden zu teilen, auch der Trinkhalm. Es wird getrunken und in der Gruppe weitergereicht. Einige Male konnten wir dies beobachten, aber heutzutage scheint dieser Brauch ein wenig zu verblassen, meistens hat zumindest jedes Paar eine eigene „Ausrüstung“

Wird der Tee gesüßt, dann ist es ein Abtrünniger – ein Argentinier! Behaupten die Uruguayos.

Museo Taller Casapueplo

Dieses Gebäudekomplex beherbergt heute ein Museum, eine Galerie und ein Hotel

Der Maler, Architekt und Schriftsteller Carlos Páez Vilaró hat über drei Jahrzehnte gebraucht, um diesen Gebäudekomplex zusammen mit Freunden am Hang von Punta Ballena zu bauen. Zu seiner Lebzeit diente es ihm als Atelier und Wohnhaus. Es heißt, er habe das weiße Gebäude an Andenken an jenen Flugabsturz von 1972 entworfen, der als „Wunder der Anden“ auch bei uns bekannt wurde. Einer seiner Söhne, damals 19 Jahre alt, gehörte zu den 16 Überlebenden, die in den Anden 72 Tage ausharrten.

Mit vielen unerwarteten Treppen, Bögen, Durchgängen. Das Haus ist genau so spannend wie seine Bilder und Skulpturen.

Eine Märchenwelt, hier darf man wieder Kind sein!

Montevideo, Uruguay

Plaza independencia

In Montevideo haben wir uns auf Anhieb sehr wohl gefühlt. Obwohl die Stadt malerisch am Río de la Plata liegt, wirkt sie auf den ersten Blick nicht wirklich großartig. Interessant sicher, aber fotogen? Im Zentrum und in der Altstadt stehen viele alte ein- und zweistöckige wunderschöne Häuser, leider sind viele renovationsbedürftigt. Dazwischen – wie halt überall auf der Welt – lieblose, hässliche Bauten. Die Gehsteige sind uneben und oft auch mit Löchern versehen. Trotzdem, man fühlt sich in Montevideo einfach sicher. Ob es an den breiten, mit Bäumen gesäumten Straßen liegt oder einfach an der Freundlichkeit der Menschen? Keine Ahnung. Es stimmt für uns einfach.

Auch im Zentrum weite Alleen mit freien Parkplätzen
Wunderschöne Häuser…..

Oft renovationsbedürftig
Hässliche Bauten
Oft werden fehlende Platten von einem Künstler durch Keramikplatten ersetzt

Montevideo hat ca 1,4 Mio Einwohner, das ganze Land 3,5 Mio und 12 Mio Rinder. Die Uruguayianer lieben ihr Fleisch! Im alten Mércato del Puerto reiht sich Restaurant an Restaurant, am Wochenende ist der Lärm unbeschreiblich

Mercato del Puerto – der vegetarische Alptraum
Fleisch!
Wir waren Bescheide ....
Wir waren bescheiden…

Leider haben wir am uns am ersten Abend in Montevideo von einem „echten“ Italiener verleiten lassen!

Die wohl übelste Pizza unserer Lebens!
Dafür stimmte der Wein!
Übrigens, Cannabis ist in Uruguay legal

Überhaupt, Uruguay, das auch die Schweiz Südamerikas genannt wird, kennt die gleichgeschlechtliche Ehe und den legalen Schwangerschaftsabbruch, setzt auf Bildung und Umweltschutz, hat „nur“ 7% Arbeitslose und die Frauen haben seit 1938 das Wahlrecht. Aber die höchste Erhebung ist nur 513,7 m hoch. Ach ja, und Uruguay mit seinen 3,5 Mio Einwohnern ist etwa halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland.

Ausblick von unserer Hotelterrasse in Montevideo

Vor zwei Tagen haben wir Montevideo verlassen und geniessen jetzt die kilometerlangen Sandstrände um Punta del Este.